Beißen und salzen statt Honig ums Maul schmieren


Kategorie: Managen Reden
| 11.05.2017 | 1 Kommentare

Geht es Ihnen auch so, dass Sie ungern schlechte Nachrichten überbringen? Dass Sie davor zurückschrecken, ein unbequemes Thema anzupacken? Dass Sie etwas laufen lassen, obwohl Sie wissen, dass eine Korrektur nötig wäre?

Tja, so sind wir Menschen. Wir wollen beliebt und geliebt sein. Und deswegen greifen wir in der Kommunikation lieber zum Honigtopf als zum Salzstreuer. Luther empfiehlt das Gegenteil:
 
„Ein Prediger soll Zähne im Maul haben, beißen und salzen und jedermann die Wahrheit sagen.“

Martin Luther: Wochenpredigten über die Bergpredigt, Weimarer Ausgabe 32, 343,22

Ja, ja, der Luther, der hat oft zum Salzstreuer gegriffen, ganze Lastwagenladungen voller Salz hat er verteilt. Und ich gebe zu, er hat sich damit nicht bei jedermann beliebt gemacht. Aber er wurde respektiert, auch von seinen Gegnern. Und von ihm spricht man noch heute, fünfhundert Jahre später. Von den Honigverteilern seiner Zeit kennen wir nicht einmal mehr die Namen.

Und damit komme ich zum großen Vorteil des Salzstreuers in der Kommunikation: Wenn wir ihn einsetzen, werden wir vielleicht nicht immer geliebt, aber geschätzt. Und zwar von den richtigen Leuten, und auf die kommt es an. Ich sage es einmal aus der Perspektive des Vorgesetzten: Mir waren und sind immer Mitarbeiter lieber, die sagen, was Sache ist. Die den Mut haben zu salzen. Das brennt zwar manchmal in den Augen, aber langfristig ist es für das Unternehmen immer besser.

Was heißt das praktisch?

Es gilt, eine schlechte Nachricht zu kommunizieren? Tun Sie es, und zwar so früh wie möglich. Ihr Gesprächspartner wird nicht begeistert sein. Aber er wird froh sein, dass er weiß woran er ist. Und je früher, desto besser: So kann er sich darauf einstellen und damit umgehen, es vielleicht sogar lösen.

Es gilt, eine überfällige Kritik anzubringen? Tun Sie es! Ihr Gesprächspartner wird nicht begeistert sein. Aber er wird froh sein, dass er sich verbessern oder sich verteidigen kann oder beides.

Der Vorteil für Sie? Sie bringen andere voran. Und wenn Sie das tun, dann bringt das auch Sie voran. Mir fällt dazu eine Bemerkung ein, die eine Personalchefin mir gegenüber machte. Und zwar nachdem ich im Seminar die Textproben der Mitarbeiter besprochen hatte: „Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der so klar die Teilnehmer kritisiert. Die meisten Trainer trauen sich einfach nicht, die Teilnehmer mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren.“ Ich glaube, das war als Kompliment gemeint. Jedenfalls kann ich mich über mangelnde Folgeaufträge nicht beklagen.

Sie denken vielleicht, das fiele mir leicht? Es sei eben mein Naturell? Nö, ich wünschte es wäre so. Auch ich habe Angst davor, zum Salzstreuer zu greifen. Doch Angst ist ein einem solchen Fall ein schlechter Ratgeber, würde Luther sagen:

„Furcht tut nichts Gutes. Darum muss man frei und keck sein in den Dingen allesamt und feste stehen.“

Luther: Weimarer Ausgabe 2,107, 18-20


Wie immer, kann man es auch übertreiben. Daher auf die Schnelle noch drei Fragen, die Sie sich vor dem Einsatz des Salzstreuers stellen sollten:

1) Stimmt Ihr Motiv?
2) Stimmt Ihr Ton?
3) Stimmt Ihre Dosis?

Ich gebe zu, bei 2 und 3 war Luther nicht immer ein leuchtendes Beispiel. Aber das ist keine Entschuldigung für Sie und mich, auf den Salzstreuer zu verzichten.


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Kommentare: 1

Ronald Schreiber | 13:39 Uhr | 11.05.2017
Das sollten sich viele einmal zu Herzen nehmen (da schließe ich mich auch nicht aus) und das "Bild mit dem Salzstreuer" ist prägend würde ich sagen, nun auch bei mir.

Beste Grüße
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